„Mama, hatten wir auch so viel Angst?“

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Diese Frage stellte mir meine Tochter vor gut zwei Jahren. Sie kannte von klein auf an, dass Infektionskrankheiten für uns unberechenbar sind, wir oft in der Klinik landen. Jetzt war es das erste Mal, dass auch viele Menschen in ihrer Umgebung Angst hatten, sich mit Covid anzustecken und vielleicht sogar zu sterben.

„Ja, mein Kind. Ich habe und hatte immer Angst. Aber ich möchte auch leben, nicht nur überleben. Und ich hoffe, dass ich es geschafft habe, es dir mitzugeben.“

Und woher nehme ich diese Kraft? Es hilft mir mein Glaube. Wir haben nicht alles in der Hand, bestimmen nicht, wie lange wir leben dürfen, aber wir haben in der Hand, wie wir leben.

Und es stimmt. Ich habe Angst. Angst, dass wir wieder in die Klinik müssen. Angst, dass wir es nicht schaffen und für immer gehen. Und doch immer verbunden mit der Hoffnung, dass Ärzte da sind, die zumindest von unseren Immundefekt schon mal gehört haben, uns glauben, schnell reagieren, umdenken…

Mit Hilfe der Natur habe ich es geschafft, unsere Lebensqualität zu verbessern, aber ohne den medizinischen Fortschritt würden weder meine Tochter noch ich heute leben. Eine Erfahrung, die sich jeden Tag aufs Neue auch in meiner Praxistätigkeit wieder spiegelt und wofür ich sehr dankbar bin.

Ich habe versucht meinem Kind mitzugeben, den Unterschied zwischen Überleben und Leben zu kennen. Auch wenn wir uns verstecken würden, nicht mehr rausgehen, Menschen meiden aus Angst vor Ansteckung, würden wir irgendwann sterben. Uns würden dann aber viele kleine, große, wundervolle und (es gehört zum Leben dazu) traurige Erlebnisse fehlen. Und das wäre schade.

Unser aller Leben hat sich in den vergangenen zwei Jahren verändert und es wird Zeit, dass wir wieder dazu zurückkehren:

Leben. Einfach leben.